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Benötigt man einen Führerschein für Baumaschinen?

In folgendem Fachbeitrag beleuchten wir einmal die Frage, ob man einen Führerschein für einen Bagger oder Lader benötigt und in welcher Situation dieser jeweils erforderlich ist.

Gleich zu Beginn klären wir die wesentliche Frage:

Brauche ich einen speziellen Führerschein für Baumaschinen?

Nein, dies ist zumindest zum Stand Januar 2018 nicht der Fall. Eine fachspezifische Fahrerlaubnis für Baumaschinen oder eine gesonderte Ausbildung sind von Rechtswegen nicht erforderlich, wenn auch teilweise von Unternehmern erwünscht. Wichtig zu verstehen ist jedoch, dass je nach Verwendungssituation der Baumaschine dennoch eine allgemein gültige Fahrerlaubnis vorliegen muss. Welche genau wann, erklären wir jetzt genauer.

Übersicht

  • Die selbstfahrende Arbeitsmaschine
  • Bewegung der Baumaschine auf Privatgrund
  • Bewegung der Baumaschine auf öffentlichem Grund
  • Private Nutzung
  • Gewerbliche Nutzung
  • Bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit (bbH)
  • Tabellarische Übersicht zum Fahrerlaubnisrecht
  • Zusammenfassung

Definition der selbstfahrenden Arbeitsmaschine (sfAM)

Seit 1937 werden selbstfahrende Arbeitsmaschinen offiziell in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung gelistet. Über 80 unterschiedliche Maschinen fallen in diese Kategorie. Eine Liste der anerkannten sfAMs findet sich hier. Im Jahr 2007 wurden die Kategorisierungen überarbeitet. Damit fallen Arbeitsmaschinen und Arbeitsgeräte für Land- und Forstwirtschaft, Arbeitsmaschinen für Erdarbeiten und Straßenbau und sonstige Arbeitsmaschinen in diese Kategorie. Dazu zählen auch Baumaschinen im weitesten Sinne wie z.B. der Mobilbagger, der Kompaktlader oder der Radlader aber eben auch der Motorgetriebene Holzspalter.
Wesentlich für eine selbstfahrende Arbeitsmaschine ist die zweckgebundene Verwendung. Die Maschine muss durch fest verbundene Einrichtungen zur Verrichtung einer bestimmten Arbeit konstruiert sein. Insbesondere bei Bewegung im öffentlichen Raum werden bestimmte Anforderungen an die Austattung der Maschine gestellt. Wie wir im Folgenden sehen werden, ist das Fahrerlaubnisrecht zudem eng mit der Leistung und den technischen Eigenschaften der jeweiligen Arbeitsmaschine verknüpft.

Bewegung der Baumaschine auf Privatgrund

Auf privatem Grund können Baumaschinen uneingeschränkt genutzt werden. Es ist weder eine besondere Fahrerlaubnis erforderlich, noch gibt es eine Größenbeschränkung. Wissen sollte man allerdings, dass einige Vermieter ab einer gewissen Maschinengröße einen Befähigungsnachweis fordern. Dies hängt vorrangig mit Sicherheitsaspekten zusammen, steigt doch mit der Größe der Maschine auch der Grad potenzieller Kollateralschäden. Andererseits aber auch mit der Komplexität in der Bedienung größerer Maschinen.

Bewegung auf öffentlichen Strassen

Auf öffentlichem Grund sieht es ein wenig anders aus. Zunächst aber sind gemäß § 4 Abs. 1 Nr. 3 FeV Arbeitsmaschinen mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von 6 km/h fahrerlaubnisfrei. Wie wir sehen werden, gibt es dennoch Anforderungen an Mensch und Maschine. Den Minibagger also Mal über einen Gehweg fahren, um besser die Hecke auszuheben stellt kein Problem dar. Etwas komplexer wird es wenn die Maschinen schneller fahren oder schwerer als 3,5t sind.

Private Nutzung

Auch in der rein privaten Nutzungssituation gibt es keine besonderen Vorschriften oder Anforderungen. Allerdings sollten sie sich in jedem Fall mit der Maschine vertraut machen. Lassen sie sich vom Vermieter eine Einweisung geben. Studieren sie vorab das Maschinenhandbuch und testen sie die Maschine auf ihrem Grundstück kurz um sicher zu werden und die einzelnen Funktionen kennenzulernen.

Gewerbliche Nutzung

Hier sieht es ein wenig anders aus. Oft verlangen der Arbeitgeberverband und Berufsgenossenschaften strengere Vorschriften. Hier wird oft ein spezifischer Fahrausweis für Erdbaumaschinen erwartet oder eine entsprechende Qualifizierung des Maschinenführers. Der Arbeitgeber muss nachweisen können, dass sein Personal mit den Geräten umgehen kann. Dies wird besonders wichtig im Falle eines Unfalls oder Schadens, denn hier kann die Versicherung ebenfalls einen entsprechenden Nachweis fordern. Welche Möglichkeiten der Qualifizierung es für motivierte private oder gewerbliche Baumaschinenführer es gibt, haben wir in einem separaten Beitrag zusammengestellt.

Bauartbedinge Höchstgeschwindigkeit (bbH)

In §30a StVZO wird die bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit definiert als „Geschwindigkeit, die von einem Kraftfahrzeug nach seiner Bauart auf ebener Bahn bei bestimmungsgemäßer Benutzung nicht überschritten werden kann“. Der Fokus liegt hier auf Höchstgeschwindigkeit und nicht auf anliegernder, momentaner Geschwindigkeit. Dies ist wichtig, da die folgende Klassifizierung der Maschinen auf eben dieser Höchstgeschwindigkeit basiert. Beispiel: Einen Mobilbagger mit einer bbH von 40 km/h den ich mit 15 km/h bewege, darf ich eben nicht nur mit Führerscheinklasse L fahren, in diesem Fall muss ich mindestens Klasse B (den PKW-Schein) haben, sofern der Bagger weniger als 3,5t wiegt 😉

Tabellarische Übersicht zum Fahrerlaubnisrecht

Baumaschinen bis 20 km/h bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit (bbH) Baumaschinen über 20 km/h bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit (bbH)
Klasse L: Keine Gewichtsbeschränkung Klasse B: bis 3,5t
Klasse C1: bis 7,5t
Klasse C: über 7,5t
Klasse L: bis 25 km/h
Klasse T: bis 40 km/h (jedoch nur gültig für land- und
forstwirtschaftliche Zwecke)

Der Vermieter hat zudem darauf zu achten, dass die Baumaschine speziell ausgerüstet ist und entsprechende Dokumente mitführt, sobald diese im öffentlichen Strassenverkehr bewegt wird. Sie als Mieter sollten bei ihrem Vermieter nachfragen, ob die Maschine entsprechend vorbereitet ist, sofern Sie planen öffentliches Gelände zu befahren. Die entsprechenden Anforderungen an die Baumaschine selbst, betrachten wir in einem gesonderten Beitrag.

Zusammenfassung

Einen speziellen Baumaschinenführerschein benötigt man rechtlich derzeit nicht zur Bedienung einer Baumaschine. Allerdings sind teilweise allgemeine Fahrerlaubnisse erforderlich, wenn man sich mit bestimmten Baumaschinen im öffentlichen Raum bewegt. Zudem gibt es beim gewerblichen Einsatz von Baumaschinen teilweise verschärfte Anforderungen.

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